Erzählzeit ohne Grenzen mit Christoph Poschenrieder
Christoph Poschenrieder liest aus Fräulein Hedwig
Hedwig ist eine unverheiratete Frau, die auf dem Land als Grundschullehrerin arbeitet. Doch schon in jungen Jahren meldet sie sich immer häufi ger krank. Der Pfarrer sieht in ihr eine verirrte Seele, der Arzt eine Nervenkranke und ihre Familie versteht sie nicht. Hedwig führt ein stilles, einsames Leben an der Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Umso mehr verstören ihre Ausbrüche die Menschen um sie herum. Unter der NS-Diktatur, die psychisch kranke Menschen entrechtet und verfolgt, wird Hedwigs ohnehin fragile Existenz schließlich lebensgefährlich – und ihre leise Rebellion gegen die Zumutungen ihrer Zeit erhält eine tragische Schärfe.
Christoph Poschenrieder studierte Philosophie in München und Journalismus in New York. Er arbeitete als Journalist und Dokumentarfi lmer, bevor er sich ganz der Literatur zuwandte. Sein Debüt »Die Welt ist im Kopf« wurde international beachtet, »Das Sandkorn« stand 2014 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Heute lebt er in München.
Christoph Poschenrieder: Fräulein Hedwig.
Diogenes 2025
Moderation: Inga Pohlmann